Der Wiederaufbau der Kirche

So dankbar die Gemeinde sein durfte, dass ihr das Gemeindehaus nach dem verheerenden Bombenangriff im Jahre 1943 erhalten blieb, so litt sie doch an Raumnot, zumal in den ersten Jahren nach dem Krieg die Anzahl der Gottesdienstbesucher beträchtlich war. Daher war es notwendig, dass sich der Kirchengemeinderat sehr bald mit dem Gedanken des Wiederaufbaus beschäftigte.

Nach einem Beschluß vom 26. Februar 1946 sollte bei sonntäglichen Kollekten für den Kirchenneubau gesammelt werden. Im Juni 1948 rückt diese Angelegenheit durch Beschlüsse einer gehaltenen Kreiskirchenvisitation näher.

„Der Gemeindekirchenrat beschließt im Hinblick auf die Raumnot im Gemeindehaus, die Wiederherstellung der Kirche, zumindest als Notkirche, baldigst in Angriff zu nehmen. Die Orgelteile, die teilweise in Karow und in Potsdam lagern, sollen an einem kirchlichen Ort gelagert werden; dabei wird die Aufstellung eines Orgelpositivs erwogen. Der Gemeindekirchenrat Buch beschließt, beim Gemeindekirchenrat Pankow eine Glocke leihweise zu erbitten und hierfür notfalls einen Glockenstuhl zu errichten.“

Am 15.August 1949 bot die „Bauhütte für die Berliner Kirchengemeinden“ ihre Dienste an. Als „kirchliches Unternehmen“ wäre sie bemüht, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Der Gemeindekirchenrat ging jedoch nicht auf deren Kostenangebote ein. 1949 besichtigte Architekt Risse die Kirche und legte ein Gutachten vor.

Zunächst mußte es darum gehen, das Gebäude vor weiterem Verfall zu schützen und es ohne Turmkörper wiederherzustellen. Als dringlichste Baumaßnahmen waren u. a. vorgesehen: Wiedereinbau des alten Altars und der Patronatsloge, Wiedereinbau der alten Orgel auf einer neu zu errichtenden Empore, Errichtung eines freistehenden Glockenstuhls für die beiden noch vorhandenen Glocken auf dem Kirchhofsgelände. Es hing natürlich von den verfügbaren Mitteln ab, ob diese Arbeiten voll oder nur teilweise durchgeführt werden können. Im September 1950 wurde die baupolizeiliche Genehmigung zunächst für die Wiederherstellung des Daches, später dann jeweils für die weiteren Bauabschnitte erteilt.

Am 10. Februar 1951 wurde Richtfest gefeiert. Die Einweihung der bis dahin notdürftig wiederhergestellten Kirche fand am 29.März 1953 statt. An diesem Sonntag fand in ihr der erste Gottesdienst nach über 17 Jahren statt.

Es war ein erster Anfang, der trotz mancher Verzögerungen, finanzieller Schwierigkeiten und des unausbleiblichen Ärgers – in verhältnismäßig kurzer Zeit erreicht werden konnte: in etwas über zwei Jahren nach dem Richtfest. Die Kirche wurde eingedeckt, die Orgelempore eingebaut, die Gewölbe und der Fußboden wurden wiederhergestellt, das Viereck-Denkmal wurde aus der Vermauerung befreit und restauriert. Der alte Schnitzaltar fand seinen Platz auf dem erhöhten Teil über der Gruft, um mehr Raum für die Gemeinde zu gewinnen.

Noch fehlte vieles, Licht, Heizung, Orgel, die Kuppel über der Vierung, der Glockenstuhl, die Ausmalung und - sollte die Kirche einmal ganz in ihrem ursprünglichen Zustand wiederhergestellt werden - die seitlichen Emporen und der Turm. Diese Arbeiten wurden - abgesehen von Turm und Emporen- in den kommenden Jahren durchgeführt. Die Gesamtkosten von ca. 70.000 DM für die Jahre 1950 bis 1954 wurden zu etwa 90% aus kirchlichen Mitteln gedeckt. Den Rest brachte die Gemeinde durch Sammlungen und Spenden auf.

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