Geschichte der Schlosskirche

Die Bucher Kirche zählt zu den schönsten Barock-Sakralbauten in Berlin-Brandenburg und ist das bedeutendste historische Bauwerk von Buch. Anstelle eines Vorgängerbaus, der 1731 abgerissen wurde, erbaute man sie in den Jahren 1731 bis 1736 nach Plänen des Architekten Friedrich Wilhelm Diterichs.

Konrad Wiesendt, ein Schüler von Diterichs, fertigte die Ausführungs- bzw. Detailzeichnungen für den Bau der Bucher Kirche an. Die Grundsteinlegung fand am 16. Juli 1731 statt. Der Auftraggeber für den Bau der Kirche war Adam Otto von Viereck. Eine lateinische Inschrift über dem Südportal der Kirche erinnert an die Bauzeit.

Im Giebelfeld über dem Südportal befindet sich ein von einer Aurelie umgebenes Tetragramm, das die vier hebräischen Buchstaben des alttestamentlichen Gottesnamens „JAHWE“ zeigt:

Auch die anderen Seiten der Kirche zeigen eine gut proportionierte Gliederung der Wandflächen mit Pilastern, Sockelzone und Gebälk.

Der Grundriss der Kirche ist einem griechischen Kreuz ähnlich. Über der Vierung erhob sich ein Kuppelbau mit einem mächtigen zentralen Turm. Bekrönt wurde der Turm mit einer geschwungenen Haube und einer achteckigen Laterne. Das war der bauliche Zustand der Kirche vor ihrer Zerstörung im Jahre 1943.

Die Kirche vor der ZerstörungNachdem die Kirche am 18. November 1943 durch einen Bombenangriff zerstört wurde, erfolgte in den Jahren 1950 bis 1953 der vereinfachte Wiederaufbau der Kirche mit Ausnahme des Turmes. Von 1995 bis 2000 wurde die Kirche innen und außen umfassend saniert. Seit 1989 zeigt die Kirche die jetzige Innengestaltung und Ausmalung. Die Restaurierungsmaßnahmen am Äußeren der Kirche wurden im Jahr 2000 mit dem Farbanstrich abgeschlossen.

Die Kreuzarme nach Norden und Süden sind jeweils etwa nur halb so tief wie die nach Osten und Westen. Der östliche Kreuzarm liegt erhöht über der vom mittelalterlichen Vorgängerbau übernommene Gruftanlage.

Die Gruft der Kirche

Die Gruftanlage verfügt über zwei Räume, in denen sich 22 Särge befinden, darunter 14 Särge der Familie von Viereck und 7 Särge der Familie von Voß. In einer Grabkammer steht der Sarg des Reichsfreiherrn Gerhard Bernhard von Pöllnitz (1617-1679). Lange Zeit war die Gruft öffentlich zugänglich. Im Jahre 1923 wurde sie zugemauert um die Ruhe der Bestatteten nicht weiterhin zu stören.

Die Gruft der Kirche

Eine besondere architektonische Akzentuierung erfuhr die Haupt- bzw. Südfassade des Sakralbaus. Vier toskanische Halbsäulen, Portal, Gebälk und ein Dreiecksgiebel schmücken diese Fassade.

Ausstattung der Kirche

Bedingt durch die Zerstörung der Kirche 1943 geben heute nur noch historische Fotoaufnahmen Auskunft über die einstige Schönheit des Sakralbaus.


Der Wiederaufbau der Kirche erfolgte in den Jahren 1949 bis 1953. Von der einstigen Pracht der Innengestaltung sind heute nur noch Rudimente bzw. Torsi erhalten, so zum Beispiel der Altar und die Kanzel. Beide bildeten ehemals einen Kanzelaltar mit Chorschranken. Heute sind sie voneinander getrennt aufgestellt.

Der Altartisch wurde - wie die Kanzel - nach Entwürfen Friedrich Wilhelm Dietrichs von einem unbekannten Künstler aus Eichenholz geschnitzt. Die Schauseite des Altars zeigt als Relief das Schweißtuch der heiligen Veronika. An den Altarseitenkanten befinden sich vier Cherubinen, deren Leiber in Bocksfüße auslaufen. Die Schmalseiten des Altars weisen Kartuschen und Regenceornamentik auf.

Die Kanzel, ebenfalls aus Eichenholz geschnitzt, ist mit einer fünfseitigen Brüstung versehen. Ursprünglich hatte sie eine Rückwand und einen Schalldeckel, die im November 1943 auch zerstört wurden. Der ausgebuchtete Kanzelkorb ist von pilasterartigen, elegant geschwungenen Voluten umgeben. Er wird oben von einem profilierten, geschweiften Gesims abgeschlossen. Im Mittelteil des Kanzelkorbes befindet sich eine plastische Rocaille-Kartusche.


Rechts neben dem Altar steht eine Sandstein-Taufe. Sie entstand vermutlich Anfang des 17. Jahrhunderts. Im Jahre 1891 wurde die Taufe aufgefunden und im Pfarrgarten aufgestellt. Später fand sie einen Platz auf dem Friedhof und war auch dort Witterungseinflüssen ausgesetzt. So nahm die Taufe schweren Schaden. Anfang 2005 wurde die Taufe restauriert, d.h. die noch vorhandene Substanz wurde gesichert.

Vor der Ostwand des südlichen Kreuzarmes ist eine Sandstein-Plastik aufgestellt, die den Evangelisten Matthäus darstellt. Diese Plastik stand links auf der Attika der Südfassade. Eine andere Plastik, den Evangelisten Markus darstellend, ist nicht mehr erhalten geblieben.

Vor der Südwand des östlichen Kreuzarmes steht eine kleine Bronzeglocke. Sie hing in dem nicht mehr vorhandenen Turm der Kirche und diente als Uhrglocke.

Auf ein Kunstwerk müssen wir noch aufmerksam machen: das Gemälde der Auferweckung des Lazarus. 1880 stiftete der frühere herrschaftliche Gärtner Karl Nagel zum Gedächtnis an seine Frau und seinen Sohn ein Altarbild. Es handelt sich dabei um eine verkleinerte Kopie von Rubens Auferweckung des Lazarus, die von Karl Stauffer - Bern 1881 - angefertigt wurde. Nach der Restaurierung des Bildes und des Rahmens hängt das Gemälde nun seit dem 25.11.2007 wieder in der Kirche.

An der Südwand des südl. Kreuzarmes hängt das aus Eiche geschnitzte Wappen derer von Viereck. Dieses Wappen bekrönte die nicht mehr vorhandene Patronatsloge.

Das Epitaph für Adam Otto von Viereck

In der Ostwand der Kirche befindet sich das Marmor-Epitaph für Adam Otto von Viereck, der als Patronatsherr den Bau der Kirche in Auftrag gab. Das Epitaph, das die Rundbogennische in der Ostwand in voller Höhe ausfüllt, wurde im Jahre 1763 von dem Berliner Bildhauer Johann Georg Glume geschaffen.

Das aus grauem Marmor gefertigte Epitaph für Adam Otto von Viereck hat einen asymmetrischen Aufbau. Eine lateinisch verfasste und ornamental verzierte Vitentafel aus schwarzem Marmor gibt in typisch barocker Manier und in Goldschrift Auskunft über das Leben des Verstorbenen.

Den oberen Abschluß des Epitaphs bildet eine Büste von Otto von Viereck, die von zwei Putten umgeben ist.

Am linken oberen Rand der Vitentafel steigt ein plastisch gestalteter und geflügelter Chronos herauf, dessen linker Arm angewinkelt ist und der in seiner linken Hand eine Sense hält.

Auf der rechten Seite des Epitaphsockels steht die plastische Darstellung einer weiblichen Figur. Sie hält in ihrer linken Hand eine vom Gesicht gezogene Maske. In ihrer rechten Hand hielt sie eine Leuchte, die nicht mehr vorhanden ist.

Die Orgel

Ursprünglich hatte die Kirche eine Orgel, die in den Jahren 1754 bis 1755 von Peter Migend erbaut wurde und zunächst Prinzessin Anna Amalie als Hausorgel diente. 1788 fand sie eine Aufstellung auf der Ostempore der Bucher Kirche. Bei Renovierungsarbeiten 1938 wurde die Orgel jedoch entfernt. Die ausgelagerte Orgel befand sich zuvor im Besitz der Prinzessin Amalie, Schwester von Friedrich II., im Prinz-Albrechtpalais in der Wilhelmstraße zu Berlin. Nach dem Bombenangriff 1943 wurde die Kirche restauriert. Die Orgel ist nach der Restaurierung der Kirche nicht mehr aus Karlshorst zurück gekommen. Nachdem die Balken in der Schlosskirche eingezogen waren, stellte man fest, dass die Tragfähigkeit und die Höhe nicht ausreichten, um die Orgel zurückzuführen und wieder einzubauen.

Deshalb entschied man sich für einen Neubau. Die Firma Schuke aus Potsdam wurde mit dem Neubau beauftragt, der 1960 begann. Sie erhielt 2 Manuale mit 16 Registern und das Pedal mit 5 Registern. Die Einweihung fand am 15.07.1962 unter dem neuen Kantor Gottfried Weigle statt. Die Kosten für das Instrument betrugen 36.000 Mark der DDR.

Der Glockenstuhl

Westlich der Kirche steht ein Glockenstuhl, der in den Jahren 1962 bis 1963 errichtet worden ist. Im Glockenstuhl hängen drei Stahlgussglocken. Sie datieren aus dem Jahre 1924 und wurden in Bochum gegossen.

Der Friedhof

Um die Kirche herum befindet sich ein Friedhof, der vermutlich seit dem Mittelalter ununterbrochen als Begräbnisstätte diente.

Der älteste Grabstein des Friedhofs befindet sich an der östlichen Kirchhofsmauer: Das Epitaph der „wohledlen, hoch-, ehr-, sitt- und tugendbegabten Frau Ursulen Catharinen Lindin“. Die Inschrift ist kaum noch leserlich. Erkennbar ist das Geburtsjahr 1672, während vom Sterbejahr nur noch die ersten drei Ziffern 171... erhalten geblieben sind.

Auf der gegenüberliegenden Seite - an der westlichen Kirchhofsmauer - ist die Grablege der Familie von Voß. Im Jahre 1763 übernahm Otto von Voß, ein Schwiegersohn von Adam Otto von Viereck, das Gut Buch.

In der Mitte der Grablege ist in einer übergiebelten Blendnische das Familienwappen angebracht, das aus gebranntem Ton gearbeitet ist. Links und rechts neben dem Wappen befinden sich die gusseisernen Grabplatten für Frederike Wilhelmine von Voß (1789-1851) und Carl Otto Friedrich von Voß (1786-1864). Auf der gusseisernen Platte unter dem Wappen ist der Vers 13 aus dem 14. Kapitel der Offenbarung des Johannes zu lesen. Vor dieser Platte liegt ein kleiner quadratischer Marmorstein, der an Otto Graf von Voß (1822-1892) erinnert.

Für die Bucher Kirche gilt insgesamt nach wie vor das, was Pfarrer Ulici, der von 1740 bis 1773 der Bucher Kirchengemeinde diente, einmal so formulierte: „Sie ist eine kostbare Kirche, welche an Schönheit und Symmetrie in der ganzen Mark auf dem Lande schwerlich ihres Gleichen haben wird.“